Mit Klischees lassen sich oft auf erfrischende Weise Gegensätze überwinden. In München schieben Kunst, Geld und ortsansässige Großunternehmen einen gemütlichen Dreier, während in Berlin bettelarme »Texte zur Kunst«-Hedonisten versuchen den Münchnern immer wieder ein bißchen Dreck in den Schnee zu blasen – auf dem sie talwärts fahren. Die Berliner bedienen die Plattenteller (Currywurst/Pommes) und legen Sachen auf, die man noch nie gehört, geschweige denn gesehen hat und bei denen man sich ständig fragt, ob man schon zu alt für den Scheiß ist oder einfach niemals cool genug war.

Angeblich lebt Peter Vahlefeld seit 20 Jahren in Berlin, was aber gelogen ist. Ebenfalls gelogen ist die Behauptung, dass er zur Kunst fand, weil es das einzige »Betriebssystem« war, das ein geregeltes Einkommen und attraktive Frauen versprach. Weil Geld sexy macht und Berlin bettelarm ist, wohnt er jetzt in Hitlers einstiger Lieblingsstadt, von der man im Sommer den Eindruck hat, Andreas Baader könnte jeden Augenblick im geklauten BMW durch den Englischen Garten rasen, während einem Donna Summer »I Feel Love« ins Ohr säuselt.

Zum Malen muß Peter Vahlefeld nach Berlin fliegen – raus aus der Stadt aus Marzipan, rein in die Stadt, wo Autos brennen, massenvergewaltigt wird und jeder Zweite von Hartz IV lebt. Sein Atelier hat er in Berlin-Kreuzberg, mit Ausblick auf die Spree, in der Leute mit Pelzmänteln und teuren Präzisionsuhren regelmäßig von turnschuhtragenden Intellektuellen, mit jeder Menge alberner Tätowierungen und peinlichen Barttrachten, versenkt werden. Es gehören der Krawall, einerseits, und die Bilder, Images und Inszenierungen andererseits, zu den wenigen Dingen, welche Berlin auf Weltniveau produziert. Bombenstimmung in einer Stadt die niemals schläft. Es gibt deswegen nicht mehr viele Künstler in München, so dass die Erfolgschancen wegen der geringen Konkurrenz rosig sind. Die bayrische Regierung gibt Unsummen – in Höhe des jährlichen Bruttoinlandsprodukts von Frankreich – für Preise und Stipendien aus, für Künstler, die wiederum nichts Besseres zu tun haben, als Steuergeld zum Fenster rauszuwerfen, in dem sie ihre Videoinstallationen bei YouTube reinstellen oder in Kunstvereine stecken.

Kunstwerke Bayern KW B